Beatrice Schütze: Mein Weg zum Naturfriseur
Mein persönliches Erntedank

Als unser Gemeindepfarrer in der Predigt zum Erntedankfest uns aufrief, „ein persönliches Erlebnis als Erntedank“ aufzuschreiben, war mir klar: Genau das mache ich. Dieses Gefühl von Dankbarkeit hatte mich Freitagabend beflügelt, nach einem langen Arbeitstag die Erntekrone zu binden, und ich habe meine ganze Dankbarkeit der letzten zwei Jahre mit eingebunden. Eigentlich müsste ich meine ganze Biografie zu Papier bringen, mit allen Höhen und Tiefen, doch das würde nun wirklich den Rahmen sprengen. Heute weiß ich, aus Tiefen lernt und wächst man. Meine Oma sagte immer: „Wen Gott liebt, den prüft er.“

Ein schweres Jahr

Und so war 2013 wieder einmal PrüfungszeitNicht genug, dass meine Eltern beide schwer erkrankten, bei mir machte sich auch eine Allergie bemerkbar. Meine eigenen Haare zu färben war fast unmöglich, die Haut an meinen Händen war offen. Mit Handschuhen wurde es sogar noch schlimmer. Abgesehen von meinen körperlichen Beschwerden kam die seelische Belastung: Wie soll es weitergehen? Unser ganzes Leben ist auf den Frisiersalon aufgebaut! Die ganzen Anstrengungen, Meisterschule, Geschäftsgründung, sämtliche Erweiterungen, die Umschulung meines Mannes (Heiko) vom Bau zum Friseur, 20 Jahre Selbstständigkeit, das kann und will man nicht aufgeben! Ich wusste von meiner ersten Angestellten, was es heißt, eine Kontaktallergie zu haben. Sie hat drei Jahre gekämpft, Kortison-Behandlungen, Krankenhausaufenthalte, Kurbesuche, alles umsonst, sie musste den Beruf aufgeben. Ich wollte das nicht! Wie es weitergehen sollte, wusste ich auch nicht, ich wusste nur, ich wollte Friseur bleiben und eine gesunde Haut haben.

Friseurin bleiben und eine gesunde Haut haben

Da kam mir in einer Fachzeitschrift ein Bericht zum Thema Naturfriseur unter. Ideal für allergiegeplagte sowie umweltbewusste, biologisch denkende Friseure sei das, hieß es darin. Ich war selig, eine Lösung für mein Problem gefunden zu haben. Auch Heiko hatte sofort Interesse, eine „grüne Ader“ hatte er ja immer schon gehabt. In mir keimte wieder Hoffnung; ich war damals schon froh und dankbar, einen Weg gezeigt bekommen zu haben. Obgleich ich ahnte, dass es im Dorf nicht gerade einfach werden würde. Aber, der liebe Gott hat mir Kraft und Mut mitgegeben und eine tiefe Portion Urvertrauen obendrauf.
Wir suchten uns zwei Firmen aus und buchten 2015 das erste Seminar in Deutschland. Dabei wurden wir richtig verunsichert – sollte das alles stimmen, was da berichtet wurde? Die Spätfolgen vom Gebrauch synthetisch-chemischer Kosmetikprodukte für Kunden, Friseure und Umwelt. Dagegen war meine Allergie ein Witz! Berufserkrankungen der Haut bis hin zum Krebs, anerkannt als Berufskrankheit, jedoch wird nichts davon öffentlich bekannt gemacht! Ich hatte im Jahr 2009 selbst einen Tumor. Gott sei Dank bin ich mit einem blauen Auge davongekommen, kenne aber Berufskollegen, die mit der Diagnose Krebs kämpfen oder den Kampf schon verloren haben. Bleiben die Giftstoffe der Farben und Dauerwellen wirklich im Körper von uns und unseren Kunden? Wir brauchten einen Vergleich und fuhren eine Woche später zum Seminar in Österreich. Dort hörten wir das Gleiche wieder. Es stimmte also. Mein Mann und ich waren uns einig: Das ist unser Weg. Wir gehen den Weg als Naturfriseur! Und zwar die gesamte Strecke! Wir besuchten alle angebotenen Seminare, denn für uns war klar, dass wir ganzheitlich arbeiten wollen. Schon ein Jahr später traten wir zur Prüfung als Haut- und Haarpraktiker an und legten sie erfolgreich ab. Wir können nun nicht nur zur Schönheit, sondern auch zur Gesunderhaltung unsere Kundinnen und Kunden beitragen.

Achtung vor der Schöpfung, Liebe zur Natur

Deshalb feiere ich dieses Erntedankfest mit besonderer Hingabe, weil ich wieder gesund bin und gelernt habe, dass man den Friseurberuf mit besonderer Achtung vor der Schöpfung und in Liebe zur Natur ausüben kann und ohne sich selbst, die Kunden und die Umwelt zu belasten. Meine besondere Dankbarkeit gilt auch der Tatsache, dass mir Gott eine Familie, Freunde und treue Kunden zur Seite gestellt hat, die mir in dieser schweren Zeit beigestanden haben und heute noch zu mir halten. Ich war immer schon dankbar, so gut von Gott geführt zu werden, und hierbei durfte ich besonders seine Präsenz spüren.

Ich wünsche allen Friseuren, denen es ähnlich geht, den Mut, diesen Weg zu gehen.

Eure Beatrice
Gründungsmitglied von BBF International

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