Aktuell haben wir einen Offenen Brief sowohl an die AUVA – Allgemeine Unfallversicherungsanstalt in Österreich und die AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH zum Thema Handschuhpflicht im Friseurhandwerk versendet.
Friseure, welche ausschließlich mit reinen Naturkosmetikprodukten arbeiten, wissen sehr wohl aus eigener Erfahrung, dass für Hauterkrankenungen wie z.b. das typische Friseurekzem vordergründig die Wahl der Produkte ausschlaggebend ist. Hier unsere Worte zum Nachlesen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Im SinnederHautgesundheitunserer MitarbeiterInnen verzichten wir weitgehend auf Einweghandschuhe.“ 
Soweit das Zentral-Arbeitsinspektorat im Februar 2018 mit Bezug auf die Arbeit an Bedientheken in Supermärkten.

Im krassen Gegenteil dazu sind Friseurinnen und Friseure dazu verpflichtet, beim Umgang mit gesundheitsgefährdenden Arbeitsstoffen Schutzhandschuhe zu verwenden. Nachzulesen im AUVA-„Evaluierungsleitfaden für Friseursalons“ (Mitherausgeber WKO und Bundesinnung der Friseure, basiert auf dem geltenden ArbeitnehmerInnenschutzgesetz). Waschhandschuhe werden empfohlen. Das damit verbundene Risiko ist bekannt: „Das ununterbrochene Tragen oder die unsachgemäße Anwendung flüssigkeitsdichter Schutzhandschuhe kann ebenso mit einer irritativen Hautschädigung einhergehen.“ Das deshalb dringend empfohlene 20-Minuten-Tragelimit einzuhalten könnte sich freilich in der Praxis als schwierig erweisen, gelten doch praktisch alle Haarkosmetika als Gefahrstoffe: „Produkte zur Haarwäsche und -pflege, Produkte zur Farbveränderung, Dauerwellflüssigkeiten und Stylingmittel.“ (Beide Zitate aus den Technischen Regeln für Gefahrstoffe Friseurhandwerk, TRGS-530)

Das heißt: Was für Supermarktpersonal „im Sinne der Hautgesundheit“ unterlassen wird, das Tragen von Einweghandschuhen, ist für Friseurinnen und Friseure die – verpflichtende – „Lösung“ für den problematischen Umgang mit gesundheitsgefährdendenArbeitsstoffen

Und das im vollen Bewusstsein der Schwere des Problems: Friseurinnen und Friseure sind in puncto berufsbedingter Hauterkrankungen Hochrisikogruppe Nr. 1, dreifach stärker betroffen als der nächste auf der Liste der Berufe mit häufigen Hautproblemen.

Das lässt uns die Wahl:Wir können unsere häufigste Berufskrankheit,Dermatitis (Friseur-Ekzem),von den Gefahrstoffen bekommenoder vom Tragen der Einweghandschuhe, die uns vorgeblich davor schützen sollen.

Eine WHO-Studie von 2010 kommt zu der erschreckenden Erkenntnis, dass die berufliche Exposition von Friseurinnen und Friseuren als „wahrscheinlich krebserregend“ angesehen werden sollte. Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz toleriert diese bekannte Selbstgefährdung durch gesundheitsgefährdende Arbeitsstoffe, wenn andernfalls „ein gleichwertiges Arbeitsergebnis“ nicht zu erzielen wäre. Im vollen Wissen um die Konsequenzen wird die Gesundheit einer ganzen Berufsgruppe als weniger bedeutsam erachtet als die finanziellen Interessen der Kosmetikindustrie.

Das wollen wir Naturfriseure und Naturfriseurinnen nicht länger hinnehmen. Denn es gibt eine wirkliche Lösung: Bei der Verwendung einer biozertifizierten Naturkosmetik treten die typischen Friseur-Berufskrankheiten nicht auf.

Warum weisen Sie nicht nachdrücklich auf diese eine tatsächlich nachhaltig wirksame Alternative hin – im Sinne eines wirklichen ArbeitnehmerInnenschutzes?

Wenn die Gesundheit das höchste Gut des Menschen ist – wie kann es dann sein, dass Millionen Menschen in Europa bewusst Gesundheitsgefahren ausgesetzt werden?

Warum wird bei der Risikoeinschätzung von (Friseur-)Kosmetika die um ein Vielfaches stärkere Exposition bei beruflichem Einsatz einfach ignoriert?

Wann hören Sie auf, die Hautbelastung durch Wasserkontakt als Grund für die Hautprobleme vorzuschieben – obwohl Ihnen vollkommen bewusst ist, dass dieser lediglich die schädigende Wirkung der Gefahrstoffe massiv erhöht?

Wir fordern Sie auf, zu diesen Fragen Stellung zu beziehen. Wer danach, in Kenntnis aller Fakten, die auch an die Kundschaft weiterzugeben sind, weiterhin mit gefährlicher Haarkosmetik arbeiten will, möge dies tun. Das Verheimlichen von unangenehmen Wahrheiten, das Unterdrücken wichtiger Informationen, das Beschönigen von Konsequenzen aber müssen ein Ende haben.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Tauber
1. Vorsitzender BBF – Bewegung bewusster Friseure International e.V.

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