Petition gesunde Kosmetik: transparent, ehrlich, ökologisch

 

Hier gehts zur Online Petition: Petition gesunde Kosmetik: transparenz, ehrlich, ökologisch

Und du hast die Möglichkeit, dich in die gesamte Petition mit weiteren Hintergrundinformationen (Fußnoten 1-5) einzulesen:

Wer unsere Welt mit umweltgiftigen, gesundheitsschädlichen oder nicht abbaubaren Substanzen wie z.B. Mikroplastik verschmutzt und verpestet, schädigt unseren Lebensraum. Den einzigen, den wir haben, den einzigen, den es gibt. Die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen Wasser, Luft und Boden nehme ich deshalb sehr persönlich und betrachte sie als einen schwerwiegenden Verstoß gegen mein Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit (Art. 3 Charta der Grundrechte der Europäischen Union).

Mitverantwortlich dafür sind auch die tausenden Kosmetik- und Pflegeprodukte mit chemisch-synthetischen Inhaltsstoffen, die gesundheitsschädigend1(z.B. allergen, hautirritierend, hormonsystemverändernd, erbgutverändernd, krebserregend) und/oder umweltbelastend sind oder sein könnten. Daran ändert auch nichts, dass die Produkte als Ganzes laut EU-Kosmetikverordnung für Endverbraucher sicher sein müssen.

Es geht ums Prinzip: Kommende Generationen werden nur dann eine lebenswerte Zukunft haben, wenn der Umbau der Gesellschaft zu einer nachhaltig ökologischen und sozialen auf allen Ebenen erfolgt. Wir alle sind aufgerufen, für einen umfassenden Gesundheits- und Umweltschutz einzutreten. Auf EU-Ebene sind gesetzliche und steuerliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die die umweltfreundlichere Lösung bzw. Zutat begünstigen und die Verwendung von erwiesenermaßen umweltschädlichen Inhaltsstoffen weitestgehend einschränkt oder verbietet. Das Verbot von Tierversuchen für Kosmetika muss ausnahmslos eingehalten und weltweit wirksam werden.

Im Einzelnen fordere ich mit meiner Unterschrift:

Transparenz: Die Einführung eines EU-weit einheitlichen, mehrstufigen, an den höchstmöglichen ökologischen und sozialen Standards ausgerichteten Naturkosmetik-Labels.2

Kostenwahrheit: Umweltbelastung massiv verteuern statt belohnen, Umweltschonung begünstigen.3

Warnung vor Risiken: durch Ausweitung der Kennzeichnungspflicht für Gefahrstoffe gemäß der seit 2009 gültigen „CLP-Verordnung“ auf Kosmetika und Betonung statt Vertuschung möglicher Gefährdungen.4

Lückenloses Tierversuchsverbot: Weltweite Geltendmachung des Verbots von Tierversuchen für kosmetische Mittel, Kennzeichnungspflicht und Schließung aller gesetzlichen Schlupflöcher.5

Fußnoten 1 -5:

1Aluminum Silicate, Aluminum Chlorohydrate: v.a. als Antitranspirant in Deos, aber auch in Zahnpasta und in Lippenstiften im Einsatz. Diese Aluminiumsalze werden mit der Entwicklung von Alzheimer und der Entstehung von Brustkrebs in Verbindung gebracht, gelten als nervenschädigend und hautirritierend.

Benzophenone: Für diese als Lichtschutzfilter verwendeten Stoffe (die häufigsten sind Benzophenon-3 [Oxybenzon] und Benzophenon-8 [Dioxybenzon], eine Vielzahl weiterer ist im Umlauf, z.B. 3-Benzylidencamphor [3BC], Homosalate [HMS], Butylmethoxydibenzoylmethan [BMDEM], Ethylhexylmethoxycinnamat [EHMC], Octyldimethyl PABA [OD – PABA]) gelten zwei offizielleGefahrenkennzeichen: H373: kann die Organe schädigen bei häufiger oder wiederholter Exposition; H412: schädlich für Wasserorganismen mit längerfristiger Wirkung. 2013 wurde es als möglicherweise krebserregend eingestuft (IARC), 2014 zum „Kontakt-Allergen des Jahres“ gewählt (American Contact Dermatitis Society). Sie gelten als endokrine Disruptoren und können – besonders absurd für einen UV-Schutz – zu Photoallergien führen (Focus online). „In schlimmsten Fällen kann es zu Nervenschädigungen und Veränderung der Erbanlagen kommen.“ (Geo.de)

Erdöl: Paraffinöl (Paraffinum Liquidum) und Vaseline (Petrolatum) entstammen der umwelt- und klimaschädlichen Erdölproduktion. Stiftung Warentest fand im Jahr 2015 krebserregende Substanzen in Kosmetikprodukten mit Mineralöl. Zudem verschließen sie – wie auch Silikone – die Haut, die so ihre Atmungs- und Ausleitungsfunktion nicht oder nur mehr stark eingeschränkt erfüllen kann.

Mikroplastik: Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET), Nylon-12, Nylon-6, Polyurethan (PUR), Acrylates Copolymer (AC), Acrylates Crosspolymer (ACS), Polyacrylat (PA), Polymethylmethacrylat (PMMA), Polystyren (PS) … um nur die häufigsten Kunststoffe in Kosmetika zu nennen. Mikroplastik reichert sich in der Umwelt an und gelangt entlang der Nahrungskette in immer höheren Konzentrationen letztlich zum Menschen zurück. Mikroplastik enthält selbst Schadstoffe, v.a. wirkt es aber wie ein „Schwamm“ für Schadstoffe in der Umgebung.

Nanopartikel: Es gibt ernst zu nehmende Hinweise auf eine mögliche krebserregende Wirkung von z.B. Nano-Titandioxid (Sonnenschutz). Das generelle Problem mit Nanopartikeln ist aber: Nichts Genaues weiß man nicht. Auf Nanogröße zerkleinert ändern sich die chemischen und physikalischen Eigenschaften von Inhaltsstoffen – aber wie genau und ob bzw. welche Risiken für Gesundheit und/oder Umwelt damit verbunden sind, ist weitestgehend unerforscht. Dennoch dürfen die Nanos ohne Kennzeichnung eingesetzt werden.

PEG-Derivate: Polyethylenglycole sind ungiftige, wasserlösliche Polymere und werden als Wirkstoffträger in Medizin und Kosmetik in großer Menge eingesetzt: Sie machen die Haut durchlässiger für Wirkstoffe. Doch diese erwünschte Wirkung ist ein zweischneidiges Schwert, denn natürlich machen sie die Haut auch durchlässiger für Schadstoffe – insbesondere wenn etwa durch den überm..igen Einsatz vieler stark entfettender Tenside der natürliche Hautschutz nicht mehr vorhanden ist. Langkettige PEG sind schwer abbaubar, PEG sind als „schwach wassergefährdend“ eingestuft.

Permanent-Haarfärbemittel: Phenylendiamid, obligatorischer Bestandteil dunkler, oxidativer Permanent- Haarfärbemittel, ist ein schweres Kontaktgift: Die Substanz verätzt die Atemwege, die Haut und die Augen, der Dampf reizt diese. Das Zentralnervensystem kann beeinträchtigt werden, die Exposition Bewusstseinstrübung verursachen. Direkt auf der Haut aufgetragen sind schwerste allergische Reaktionen möglich – ein Erblindungsfall in den USA der 1940er-Jahre führte zum Verbot für z.B. Wimperntusche. Dennoch wird es Farben für temporäre Tattoos beigemengt; die in der EU streng verbotene Praxis verursachte gegen Ende des 20. Jh. den Tod von 35 Säuglingen. Es ist möglicherweise mutagen, steht im Verdacht, Krebs zu verursachen und ist stark gewässergefährdend. 1906(!) wurde es wegen all dem verboten … und war spätestens in den 1960er-Jahren überall wieder zugelassen. Trotz behördlicher Bedenken, trotz Sensitivisierungsraten von 40 bis 50 % unter FriseurInnen. Besser und billiger und damit profitabler lässt sich schwarze Farbe nicht erzielen. Ja, es wird nach Alternativen gesucht: Doch diese sind entweder von Phenylendiamin direkt abgeleitet (Derivate) oder chemische Verwandte (Tolyelendiamin etc.). Und sämtlich ebenfalls der Gesundheit abträglich, wenn auch weniger als Phenylendiamin.

Tenside: Sodium-Lauryl-Sulfat ist die klare Nr. 1 unter den waschaktiven Substanzen in Kosmetikprodukten: Es ist billig, schäumt ausgiebig und ist auch noch ein Emulgator. Der vollsynthetische Stoff kommt zumeist in Tensidgemischen zum Einsatz. Das Problem: Die Reinigungswirkung, sprich Entfettung, ist zu stark, sodass der natürliche Hautschutz verloren geht. Die Haut wird durchlässiger, insbesondere wenn das Produkt auch noch PEG-Derivate enthält. Damit sind tensidhaltige Kosmetikprodukte unter Umständen allergieauslösend, v.a. aber reizen sie bei häufiger (täglicher oder gar gewerblicher) Anwendung die Haut, unter Umständen weit über das erträgliche Maß hinaus (Ausübende des Friseurhandwerks sind mit Abstand Hauptbetroffene von berufsbedingten Hauterkrankungen).

Diese Auflistung ließe sich noch sehr lange fortsetzen: Mit Stand August 2019 listet die EUKosmetikverordnung 1.383 in Kosmetik verbotene und 309 unter Einschränkungen zugelassene Substanzen wie die hier beschriebenen auf. Wer soll das überschauen oder gar kontrollieren? Es braucht einen grundlegend anderen gesetzlichen Ansatz.

2Derzeit sorgt eine Vielzahl an Naturkosmetik-Labels (BDIH, Ecocert, NaTrue, Zertifizierte Naturkosmetik mit Austria Bio Garantie, NCS …) mit je eigenen Standards für Verwirrung unter den Konsumenten. Zudem ist die Situation wettbewerbsverzerrend, da die unterschiedlichen Produktionskosten aufgrund unterschiedlich strenger Auflagen für Endverbraucher nicht darstellbar sind: Alles mit einem entsprechenden Label wird einheitlich als Naturkosmetik angeboten und wahrgenommen, ungeachtet der teils dramatischen Unterschiede in den Standards. Mit einem einheitlichen mehrstufigen EU-Naturkosmetikstandard wäre die Situation klar: Nur nach diesen Richtlinien hergestellte Kosmetik ist Naturkosmetik. Je nach Einstufung ist für den Konsumenten sofort ersichtlich, welcher ökologische Standard eingehalten wurde. Preisunterschiede werden nachvollziehbar, die Konsumenten haben eine transparente Grundlage für ihre Kaufentscheidung und die Produzenten fairere Wettbewerbsbedingungen. Zudem sollte diese „EU-Naturkosmetik“ je nach Einstufung steuerlich begünstigt werden.

3Umweltbelastende Produktion und nicht nachhaltiges Wirtschaften zulasten zukünftiger Generationen wird so lange gewinnbringend sein, solange die Schädigung der Umwelt und die damit verbundenen Mehrkosten auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. In Zeiten von Artensterben, Umweltzerstörung und Klimakrise muss – sofort – eine Umkehr eingeleitet werden. Kostenwahrheit entsteht durch Einführung des Verursacherprinzips (Verursacher von Umweltschäden müssen für die Kosten aufkommen; diese sind ehrlich und umfassend zu kalkulieren). Notwendig ist zudem ein klares steuerliches Bekenntnis zu umweltfreundlichen und nachhaltigen Produkten: Naturkosmetik ist oft aufwendiger zu produzieren, die Zutaten sind teurer. Derart wird Umweltschutz zum Luxusgut und nachhaltiges Produzieren/ Verhalten durch Nichtbegünstigung bestraft. Eine derartige irregeleitete Politik ist nicht länger zu verantworten.

4CLP steht für Classification, Labelling and Packaging. Die CLP-Verordnung regelt seit 2009 die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen und basiert auf einem global vereinheitlichten Kennzeichnungssystem für Gefahrenstoffe, dem sogenannten Globally Harmonised System of Classification and Labelling of Chemicals, kurz GHS. Mit der CLP-Verordnung hat sich die EU – und damit unmittelbar alle ihre Mitgliedsstaaten – diesem System angeschlossen. Kosmetikprodukte sind jedoch von dieser Kennzeichnungspflicht ausgenommen. Nach offizieller Lesart gilt ein Kosmetikprodukt als für Endverbraucher verträglich, sobald es der EU-Kosmetikverordnung entspricht. Einzelne Inhaltsstoffe brauchen nach Meinung des Gesetzgebers nicht zu interessieren. Es darf vermutet werden, dass dies der Kosmetikindustrie sehr entgegenkommt: Piktogramme mit Totenkopf, explodierendem Brustkorb oder sterbendem Fisch auf Kosmetika-Verpackungen dürften nicht eben verkaufsfördernd sein. Unserer Meinung nach hat der Konsument jedoch ein Recht auf umfassende Information und ungeschönte Aufklärung über Inhaltsstoffe und den damit verbundenen Gefahren für Umwelt und Gesundheit.

5Seit 2013 gilt ein EU-weites Verbot von Tierversuchen für Kosmetika und kosmetische Inhaltsstoffe. Auch der Import und Verkauf von seither an Tieren getesteten Produkten ist illegal. Leider nimmt die Zahl an Tierversuchen (Deutschland: um 3 Millionen) nichtsdestotrotz nicht ab oder sogar zu: Das Verbot gilt nur für ausschließlich in Kosmetika verwendeten Inhaltsstoffen. Werden Zutaten wie z.B. Reinigungsmittel auch in nicht-kosmetischen Produkten eingesetzt, fallen sie unter die Chemikalienverordnung REACH, in deren Rahmen Tierversuche nicht nur möglich, sondern teilweise sogar vorgeschrieben sind. Zudem hat man auf eine Kennzeichnungspflicht für Tierleid-Produkte verzichtet, die vor Inkrafttreten des Tierversuchsverbots bereits auf dem Markt waren. Trotz dieser riesigen Schlupflöcher nimmt die EU mit dieser Position eine Vorreiterrolle ein: In 80 Prozent der Länder weltweit sind Tierversuche für Kosmetika nach wie vor erlaubt. Am 3. Mai 2018 hat das Europäische Parlament mit überwältigender Mehrheit (620 zu 14 Stimmen) die Resolution 2017/2922 (RSP) angenommen mit dem Ziel, das Tierversuchsverbot auf alle Länder der Welt auszuweiten. Diese sehr begrüßenswerte Initiative verpufft jedoch weitgehend wirkungslos, wenn das Verbot selbst nicht lückenlos umgesetzt wird.

Telefon: +49 (0) 8252 – 9091799
Datenschutzerklärung